Salve,
letztens hat sich jemand beschwert, dass meine E-Mails immer so lange sind. Kurz und knapp – meinte er. Worauf ich erwiderte: Tut mir leid (nein, tut es nicht), aber kurz geht bei mir nicht – entweder lang oder gar nicht. Er redet immer noch mit mir.
Über das letzte Vierteljahr seit Erscheinen des letzten Infodienstes weiß ich nicht viel zu berichten; wir treffen uns immer Ende des Monats, plauschen ein wenig, hören und schauen den Vortragenden zu, und dann gehen wir unserer Wege – die Besucher nach Hause und der Vorstand in den McDonald’s nach Dudweiler oben an der Autobahn, wo wir unsere Vorstandssitzungen abhalten, im wahrsten Sinne des Wortes, das Nützliche mit dem Angenehmen verbindend.
Ich hoffe, viele von Ihnen benutzen E-Mails und haben uns auch Ihre Adressen mitgeteilt, womit sie im großen Verteiler gelandet sind und immer wieder mal eine E-Mail von mir erhalten. Das ist ganz praktisch, weil Sie dann nicht 3 Monate drauf warten müssen, über etwas infor-miert zu werden, das dann schon 6 Wochen her ist.
Wie zum Beispiel den Termin für die Ausräumaktion im Haus unseres verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden Dr. Jüngst. Der Nachlassverwalter hatte mich schon im Mai angesprochen, aber erst im Juni konnten wir das angehen und dann am 3. Juli durchführen. Das Ehepaar Brust schaute nicht schlecht, als wir an dem Morgen mit gut 20 Leuten anrückten und es immer mehr wurden. Frau Brust sagte erstaunt: „Ich wusste nicht, dass sich so viele Leute für sowas interessieren!“ Als wir um die Mittagszeit losfuhren, hatten sich die Regale doch schon ziemlich geleert.
Oben im ersten Stock standen in einem Regal viele Ordner und auf der anderen Seite in Holzkisten ein paar 100 Karteikarten im Format A5. Die Ordner und die Karten nahm unser französisches Mitglied René Weisslinger mit und scannte sie ein. Er hat einen Scanner mit einem Schacht obendrauf, in denen er die einzelnen Blätter einfüllte. Die rutschten dann nach unten, wurden gescannt und kamen wieder raus. Nicht wirklich vergleichbar mit einer alten Mahlmühle, aber doch ir-gendwie schon. Und dass das richtig schnell geht, sieht man daran, dass er zum Mitgliedertreffen Ende Juli die Scans eines guten Teils der Ordner auf einem Datenstick mitbrachte. Wir zollten ihm unseren Re spekt und Dank mit einem starken Beifallklatschen. Jetzt müssen wir uns überlegen, was wir mit den Scans machen und wie wir sie unter die Leute (sprich: Mitglieder) bringen.
Im alten Haus von Herrn Dr. Jüngst wird es noch einen zweiten Termin geben, einen Hausflohmarkt, denn, auch wenn die Bücher und Ordner so ziemlich alle weg sind, da hängen noch Karten und Bilder an den Wänden, da stehen noch jede Menge Möbel rum (was bin ich froh, dass ich zu Hause keinen Platz dafür habe), aber die Holzkegel aus der Gast-wirtschaft, die das Haus vor 100 Jahren mal war, und an denen wir alle beim Ausräumen treppauf – treppab etliche Male vorbeiliefen, die konnte ich dort nicht stehen lassen. Hab sie gegen ein kleines Blatt Papier eingetauscht.
Im kommenden Monat September stehen einige Termine an, bei denen wir vor Ort präsent sein werden. Ursprünglich waren es drei, aber die haben wir dann doch auf 2 reduziert.
Am 14. September findet bundesweit der Tag des Offenen Denkmals statt. An dem haben 2015 meine Frau und ich mit unserem alten Haus in St. Wendel teilgenommen, und da das schon 10 Jahre her ist, haben wir uns gedacht, machen wir die Tür noch einmal auf. Wenn man bei uns reinkommt, liegt linkerhand der ehemalige Kuhstall, die Rumpel-kammer, die ich gern „Büro“ nenne. Dort wird während der Öffnungs-zeiten dieses Tages (morgens neun Uhr bis abends um sechs) jemand von der Arbeitsgemeinschaft für Saarländische Familienkunde (ASF) sitzen und denen, die es interessiert (und den anderen auch), etwas über Genealogie etc. erzählen. Ist ‘ne gute Gelegenheit, dachte ich mir. Im Haus gibt’s noch andere Sachen zu sehen, unter anderem was wir an Römischem rund ums Haus im Boden fanden und vieles mehr. Wenn Sie am 14. September irgendwo in der Nähe sind, kommen Sie vorbei – es gibt Kaffee und Kuchen, unter anderem.
Vom 26. bis 28. September findet in Frankfurt am Main der dies-jährige Genealogentag statt. Auch dort werden wir während der ganzen Zeit mit einem Stand vertreten sein. Der Stand ist bestellt, ebenso Tisch und Stuhl, momentan laborieren wir noch an einem Auf-steller und Faltblättern, um den Verein vorzustellen. Wir werden ein paar Bücher mitnehmen, wenn auch kaum welche verkaufen – da geht es drum, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Unser Stand steht nahe dem der Hugenotten, so dass wir auch mal jemanden haben, der auf unseren Stand aufpasst, wenn mal grad von uns keiner da sein sollte. Soll vorkommen.
Ursprünglich wollten wir auch am 21. September einen Stand bei der Westrichtagung (Treffen der Westricher Geschichtsvereine) aufbauen, aber das haben wir unter anderem wegen Personalmangels wieder auf-gegeben. Ich erinnere mich an die letzte Tagung dieser Art in Forbach direkt hinter der Grenze, damals saß Markus Detemple den ganzen Tag dort an unserem Tisch. Bei der Westrichtagung geht es um lokale Ge-schichte, von der die Genealogie nur ein Aspekt ist. Wenn ich an meine „Anfänge“ zurückdenke, wurden da noch recht strenge Grenzen ge-zogen. Ich erinnere mich an einen Vortrag einer saarländischen Histo-rikerin bei uns am Dienstagabend über die Saarbrücker Bierbrauer-familie Bruch, dargestellt in einzelnen Generationen. Ein toller Vortrag und schön vorgetragen. Und als dann jemand von uns fragte, ob sie auch die Genealogie zusammengestellt hätte, bekam ihr Gesicht einen mehr als verächtlichen Ausdruck: „Genealogie? So etwas mache ich nicht!“ Genauso kleingeistig wie der Archäologe, den ich auf Grabun-gen des 19. Jahrhunderts hinwies, der dann mit demselben Gesichts-ausdruck und extrem erhobener Nase meinte: „Wir Archäologen gehen nicht in Archive!“ Er hat wohl bis heute nicht begriffen, dass das Loch, in dem er bis eben gegraben hat, nichts anderes ist als ein Archiv. Ich bilde mir ein, den Fehler gemacht zu haben, vor dem man mich in meinen jungen Jahren eindringlich gewarnt hatte, nämlich mich nicht zu verzetteln. Das habe ich ignoriert und bin alles angegangen, was mir vor die Flinte kam – vielleicht hat das ein bisschen geholfen, über man-chen Tellerrand hinauszuschauen. Vielleicht bilde ich mir das aber wirklich nur ein.
Andererseits ist es interessant zu sehen, welche Vereine mit welchen Produkten bei der Westricher Tagung vertreten sind.
Schaun wir mal.
Bene Vale
Roland Geiger